Was sind Airbags und wie funktionieren sie?

Jeder hat wahrscheinlich schon einmal den Aufdruck "Airbag" oder "SRS" in einem Auto gesehen. Aber was steckt da dahinter?

Was sind Airbags und wie funktionieren sie?

Simulation eines Frontalzusammenstoßes mit aufgeblasenem Airbag

Von: Manuela Boin

Schauen wir uns zum Beispiel einmal den Airbag im Lenkrad an. Dieser wirkt in einem Frontalunfall. Das ist ein Unfall, bei dem man (frontal) z.B. gegen ein entgegenkommendes Auto prallt. Ohne den Fahrerairbag und den Sicherheitsgurt würden der Fahrer oder die Fahrerin in einem schweren Frontalunfall ungeschützt gegen Lenkrad und Windschutzscheibe prallen und sich schwere Verletzungen zuziehen. Sicherheitsgurt und Airbag sollen sie davor schützen und von den Anprallflächen zurückhalten. Sie heißen deshalb auch Insassenschutzsystem oder Rückhaltesystem.

Um den Fahrer bzw. die Fahrerin im Fahrzeug schützen zu können muß sich der Airbag bei einem solchen Unfall blitzschnell aufblasen und sich als gasgefülltes Kissen zwischen ihnen und dem Lenkrad plazieren. Blitzschnell heißt hier in 30 bis 40 Millisekunden. Das sind Tausendstel Sekunden. Zum Vergleich: Ein Augenaufschlag oder Blinzeln von Dir dauert ca. 200 Millisekunden, also 5-7mal so lange. Der gesamte Frontalunfall dauert nur ca. 150 Millisekunden.

Wie wird so ein schnelles Aufblasen des Airbags erreicht?

Dazu schauen wir uns einmal den Aufbau eines Airbags an: Die wichtigsten Teile sind das Kunststoffgewebe, auch Luftsack (engl. air bag) genannt, und der Gasgenerator, der dieses Gewebe mit Gas füllen soll. Außerdem gibt es noch Haltebleche, die alles zusammenhalten und mit dem Lenkrad verbinden, ein Zündkabel, über das der elektrische Zündstrom fließt, und die Abdeckung (engl. Cover), die den äußeren Abschluß bildet.

Wenn jetzt wirklich ein Frontalunfall passiert und der Gasgenerator des Fahrerairbags gezündet wird, brennt meist ein pyrotechnischer Treibstoff ab. Bei der Verbrennung wird in kurzer Zeit sehr viel Gas freigesetzt, das in den Luftsack strömt. Noch ist der Luftsack im Cover gefangen, aber nicht mehr lange. Der Luftsack dehnt sich aus und reißt dabei das Cover an vorher bestimmten Reißlinien auf. Jetzt ist er frei und kann sich voll zwischen Insassen und Lenkrad entfalten.

Im Unfall fängt der Airbag den Fahrer oder die Fahrerin dann ab, indem diese auf den Airbag drücken und dabei das Gas aus dem Luftsack gepreßt wird. Das kann durch das Gewebe geschehen, meist sind aber zusätzlich Ausblasöffnungen (Löcher, engl. Vents) an der Rückseite des Luftsackesangebracht. Das Ganze dauert nicht mehr als ca. 100 Millisekunden. Glaubt also bitte keinen Werbefilmen, bei denen die Fahrerin nach einem Unfall aus dem Auto steigt und der Airbag noch voll aufgeblasen ist. Er würde schlaff herunterhängen, da er seinen Job erfüllt hat.

Der Aufdruck "SRS" heißt übrigens "Supplementary Restraint System", das bedeutet zusätzliches Rückhaltesystem. Man sollte sich nie auf den Airbag allein verlassen, sondern immer angeschnallt fahren. Der Sicherheitsgurt ist das wichtigste Rückhaltesystem überhaupt.

Einen Unfall mit nur 30 km/h gegen ein gleiches Fahrzeug, das einem mit gleicher Geschwindigkeit entgegenkommt, kann man in etwa mit einem Sprung vom 3 m-Turm vergleichen. Würdest Du den ohne schützendes Wasser wagen?

Ich hoffe, daß ihr immer schützende Airbags vor und neben Euch habt, und wünsche Euch, daß ihr sie nie zu sehen bekommen müßt!

Über die Autorin: Manuela Boin lehrt als Professorin an der Hochschule Ulm u.a. das Gebiet Fahrzeugsicherheit.



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